22 Jul Book Review of FRAUEN LITERATUR: Abgewertet, vergessen, wiederentdeckt
Entdecke die vergessene Literatur: Ein Blick auf FRAUEN LITERATUR: Abgewertet, vergessen, wiederentdeckt
Es gibt Bücher, die einem einfach über den Weg laufen und kein Zurück mehr erlauben. So erging es mir mit FRAUEN LITERATUR: Abgewertet, vergessen, wiederentdeckt von Julia Seifert. Ob es die klare Botschaft, die kraftvolle Sprache oder die drängenden Themen waren, ich wusste sofort, dass ich es meiner Bücherliste hinzufügen musste. Und die Entscheidung, es in der Bibliothek auszuleihen, war sicherlich eine der besten, die ich in letzter Zeit getroffen habe.
Seifert zeigt mit eindrucksvoller Klarheit auf, wie tief verwurzelt Sexismus und Rassismus in der Literaturgeschichte sind. Mit Zahlen und Fakten konfrontiert, wird einem als Leser deutlich, wie stark Frauen (und insbesondere FLINTA*) im Verlagswesen, in literarischen Diskussionen und bei Literaturpreisen abgewertet und vergessen wurden. Die Erkenntnis, dass ich in meinem eigenen Bücherregal kaum Titel von Autorinnen fand, hat mich schockiert und zum Nachdenken angeregt. Wie gut ich doch dachte, dass ich dieses Thema verstehe – und doch war ich, unbewusst, Teil des Problems.
Besonders eindrucksvoll fand ich Seiferts Ansatz, nur noch Autorinnen zu lesen – eine Entscheidung, die in mir den Wunsch auslöste, mein eigenes Leseverhalten zu überdenken. Ich habe mein Reading Spreadsheet, das ich seit fünf Jahren führe, um kategorische Informationen ergänzt: Ob Bücher von Männern, Frauen oder genderqueeren Personen geschrieben wurden. Erschreckend war das Ergebnis für 2024 – nur ein Drittel meiner bisher über hundert gelesenen Büchern stammte von Frauen, und gerade mal 2% von genderqueeren Autor*innen. Diese neue Perspektive auf meine Lektüre ist nicht nur konfrontativ, sondern auch motivierend.
Der Schreibstil von Seifert ist angenehm und direkt, was die Lektüre zu einem durchweg positiven Erlebnis macht. Sie behandelt eine Vielzahl von Themen und hat eine Leseliste zusammengestellt, die sich lohnen könnte, in Zukunft zu nutzen. Ein Aspekt, der besonders bei mir nachklang, war die Diskussion über die Aktualität der Themen – einschließlich des Scheiterns von Autor:innen bei renommierten Preisen und der damit verbundenen Empathielosigkeit.
Ich kann FRAUEN LITERATUR wärmstens jedem empfehlen, der sich für Literatur und deren oft unsichtbare Strukturen interessiert. Es ist ein Buch, das nicht nur informiert, sondern auch zum Handeln anregt. Seifert macht deutlich, dass wir alle ein Teil der Lösung sein können, indem wir bewusster lesen und hinterfragen, was wir konsumieren. Dieses Erlebnis hat mir nicht nur die Augen geöffnet, sondern auch mein Leseverhalten ganz konkret beeinflusst. Wer weiß, vielleicht inspiriert es auch dich, deinem Bücherregal einen frischen Wind zu verleihen!
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